Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Neurologie DGN gibt es durchaus plausible Erklärungen für diesen beobachteten Effekt. Ausgewertet wurden Daten der „Nurses’ Health Study“ (NHS) und der „Health Professionals Follow-up Study“ (HPFS), in denen prospektiv die Teilnehmenden bislang über 43 Jahre nachbeobachtet wurden. In diesem Zeitraum fanden wiederholt Erhebungen der Ernährungsgewohnheiten und des kognitiven Status (subjektiv und objektiv) statt, auch Untersuchungen auf Demenz. „Allein schon dadurch hebt sich die neue Studie positiv von anderen ab, in denen die Ernährungsgewohnheiten nur zu Beginn erhoben wurden und die oft nur einen kurzen Nachbeobachtungszeitraum hatten“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit.
Insgesamt wurden 86.606 weibliche Teilnehmerinnen aus der NHS-Kohorte und 45.215 männliche Teilnehmer der HPFS-Kohorte in die Analyse einbezogen. Von den 131.821 Personen entwickelten 11.033 während des Follow-ups eine Demenz. Die Studienteilnehmenden waren je nach ihren Kaffeekonsum in Quantilen eingeteilt worden, anschliessend wurde statistisch ausgewertet, welches Quantile mit der geringsten Demenzinzidenz einherging.
Im Ergebnis zeigte sich, dass ein höherer Kaffeekonsum mit einem signifikant geringeren Demenzrisiko verbunden war. „Das heisst, wer koffeinhaltigen Kaffee trank, konnte sein Demenzrisiko um 18 % senken, was durchaus ein nennenswerter Effekt wäre“, hebt Prof. Berlit hervor. Koffeinfreie Getränke (Kaffee oder Tee) hatten hingegen keinen schützenden Effekt. Doch ist ein solcher Effekt plausibel? Welche Erklärungsansätze gibt es für einen möglichen demenzprotektiven Effekt von Kaffee? Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren könnte dieser auf verschiedene Mechanismen zurückzuführen sein.
Koffein reduziert Beta-Amyloid (Aβ)-Ablagerungen im Gehirn. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass Koffein Aβ-Spiegel senkt, die β- und γ-Sekretase-Aktivität unterdrückt, die neuronale Plastizität verbessert und die Mitochondrienfunktion sowie andere Signalwege stimuliert. Darüber hinaus kann Koffein proinflammatorischen Zytokine im Gehirn senken und Neuroinflammation als Treiber von kognitivem Verfall reduzieren. Neben Koffein enthalten Kaffee und Tee auch bioaktive Verbindungen wie Polyphenole, Chlorogensäure und Catechine, die oxidativen Stress reduzieren und die zerebrovaskuläre Funktion verbessern.
Auch die Fähigkeit von Koffein, die Insulinsensitivität zu verbessern und das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken, könnte zu seiner schützenden Wirkung auf die kognitive Gesundheit beitragen. Die Ergebnisse der Studie seien somit physiologisch plausibel, betont Prof. Berlit. „Allerdings handelt es sich nur um Beobachtungsdaten, auch wenn die Studie qualitativ sehr hochwertig gemacht ist.“
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