IUFoST – 1973 und 50 Jahre danach

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Seit 50 Jahren wirkt die Schweiz offiziell in der International Union of Food Science and Technology (IUFoST) mit. Felix Escher, emeritierter Professor für Lebensmitteltechnologie der ETH Zürich, jahrzehntelang in diesem Fachnetzwerk engagiert, gibt einen Rück- und Ausblick.

Am 27. März 1973 erhielt Jürg Solms, Professor für Lebensmittelchemie und -technologie an der ETH Zürich, ein Schreiben von Erik von Sydow aus Göteborg, Schweden, mit der Mitteilung dass die Schweiz offiziell als Mitglied in der International Union of Food Science and Technology (IUFoST) aufgenommen worden sei. Jürg Solms war damals Präsident des Schweizerischen IUFoST-Komitees, Erik von Sydow Generalsekretär der IUFoST. In der Schweiz ging damit eine dreijährige Vorbereitungszeit für den Beitritt zur Union erfolgreich zu Ende. Warum die lange Vorbereitung? Dazu später, zuerst zur Gründung der IUFoST, denn sie war damals auch erst drei Jahre alt.

«SOS/70 – Science for Survival»
Unter diesem fast provokativen Titel fanden im August 1970 in Washington, D.C., der 3rd International Congress of Food Science and Technology und verbunden damit die Gründung der IUFoST statt. Waren die beiden Vorgängerkongresse in London, 1962, und Warschau, 1966, noch von Ad-hoc-Gruppen organisiert,so war jetzt die Zeit mehr als reif für eine ständige weltweite Organisation zur Förderung der Lebensmittel-Wissenschaft und -Technologie im weitesten Sinne und auf internationaler Basis. Es ist spannend und ernüchternd zugleich, im Kongressbericht von den so massiven Problemen der Welternährung zu lesen, dass ein SOS-Ausruf sicher gerechtfertigt war, und gleichzeitig festzustellen, dass 50 Jahre später der Ausruf nichts an Ernsthaftigkeit verloren hat. Die Situation der Welternährung war damals ebenso angespannt wie heute, einfach auf einem viel tieferen Niveau der Weltbevölkerung. Und so gelten die Worte, welche der Kongress- und spätere IUFoST-Präsident Richard L. Hall in seiner Ansprache zur Kongresseröffnung wählte, auch heute noch (Infolink 1).

Das Swiss National Committee to IUFoST
Schon während der Vorbereitungen zu ihrer Gründung lud die IUFoST die Schweiz zur Mitgliedschaft ein. Da allerdings von jedem Land nur eine nationale Organisation Mitglied in der Union sein konnte, musste man aus den in Lebensmittel- Wissenschaft und -Technologie aktiven Fachgesellschaften ein Landeskomitee bilden, das die Schweiz in der IUFoST vertritt und mit der IUFoST zusammenarbeitet. Unter der Schirmherrschaft der Akademie Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) startete Prof. Jürg Solms Ende 1969 die Verhandlungen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Lebensmittel- Wissenschaft und -Technologie (SGLWT), für Analytische und Angewandte Chemie (heute Swiss Society for Food Chemistry, SFC), für Lebensmittel-Hygiene (SGLH), für Ernährungsforschung sowie der Vereinigung für Ernährung (die letzten beiden sind heute vereinigt in der Gesellschaft für Ernährung, SGE) zur Bildung des Landeskomitees.
Es war nicht einfach, die divergierenden, zum Teil aber auch sich überschneidenden Interessen der disziplinär ausgerichteten Fachgesellschaften für eine international ausgerichtete Zusammenarbeit unter einen Hut zu bringen. Jürg Solms, heute mit 98 Jahren  ochbetagt in Winterthur lebend und immer noch bemerkenswert luzid mitdenkend, meinte in einem kürzlichen Gespräch: «In meinen Bemühungen um die internationale Präsenz unserer Fachgesellschaften wurde ich von Kollegen oft eher belächelt als unterstützt. Die Zeit war offensichtlich noch nicht wirklich bereit für diese Öffnung.»
Dennoch, der Zusammenschluss gelang, und am 14. Oktober 1972 fand in Luzern die Gründungsversammlung des Swiss National Committee to IUFoST statt. Schon am nächsten Vierjahreskongress der IUFoST in Spanien im Jahre 1974war die Schweiz mit einer mehrköpfigen Delegation vertreten. Neben der Mitwirkung in Arbeitsgruppen und der Präsenz in den weiteren alle vier, später alle zwei Jahre stattfindenden IUFoST-Kongressen war sie federführend in mehreren wissenschaftlichen IUFoST-Symposien. Eines davon war 1987 in Zürich der Akzeptanz von Lebensmitteln gewidmet, einem interdisziplinärem Thema, das nichts von seiner Aktualität verloren hat (Infolink 2).

Perspektiven der IUFoST
Mit der rasant steigenden elektronischen Vernetzung der Welt und der damit massiv vereinfachten Informationsbeschaffung  und -vermittlung hat die IUFoST in den letzten 20 Jahren an Bedeutung verloren. Wegen der Covid-19-Pandemie musste der Weltkongress  2020 in Neuseeland abgesagt werden. Administrative Probleme und Fragen der Good Governance in der IUFoST-Exekutive haben mehrere Länder zum Austritt aus der Union bewogen. Das Swiss National Committee to IUFoST, das gegenwärtig unter dem Präsidium von ETH-Professor Alexander Mathys steht, entschied sich klar für einen Verbleib in der Union.
Mittlerweile hat sich die Situation der IUFoST wieder verbessert, die neu formulierten Vision-and-Mission-Statements und die erweiterten Online-Aktivitäten überzeugen. Alexander Mathys engagiert sich in der Early Career Scientist Initiative, während der emeritierte ETH-Professor Erich Windhab in der IUFoST Task Force on Food Processing for Nutrition, Diet and Health mitwirkt. Weit davon perfekt zu sein, bleibt die IUFoST eine wissenschaftlich-technische Organisation, die auch nach 50 Jahren einen Beitrag zur Lösung der immensen Probleme der Welternährung leisten kann und für die es sich deshalb rechtfertigt, auch in der Schweiz weiterhin aktiv zu sein.

Prof. em. Dr. Felix Escher war 1988–2004 Mitglied des IUFoST Executive Committee und 2005–2020 Präsident des Swiss National Committee to IUFoST. Seit 2000 ist er Fellow der IUFoST Academy.