Welche Rolle hat Sproudz im fenaco-Universum?
Sproudz bildet in der fenaco eine Art Sandbox für Innovation in der Lebensmittelindustrie – gewissermassen die WG der Lebensmittel-Start-ups: Unter einem Dach arbeiten agile Jungunternehmen zusammen, lernen voneinander und entwickeln sich gemeinsam weiter. Für die fenaco bedeutet das eine direkte Kooperation mit Startups auf Augenhöhe – mit dem Ziel, die Unternehmen dabei zu unterstützen, sich am Markt zu behaupten.
Innovation – was versteht ihr konkret darunter?
Für uns bedeutet Innovation konkret: Die heutige Art und Weise, wie Lebensmittel angebaut, produziert und verkauft werden, neu zu denken und gezielt dort Projekte voranzutreiben, wo echter Mehrwert entsteht – für die Branche und den Konsumenten. Der Status quo wird hinterfragt – mit kurzen Iterationsschritten, schnellem Dazulernen und dem Mut, Neues aktiv auszuprobieren. Nicht jedes Experiment gelingt, aber jedes liefert wertvolle Erkenntnisse. Genau diese Offenheit und Lernbereitschaft ist es, die uns antreibt.
Was sind in der Praxis die grössten Herausforderungen?
Lebensmittel sind Emotion – Essen macht Spass, verbindet und ist ein tägliches Erlebnis. Genau das ist der Massstab: Ein neues Produkt muss geschmacklich überzeugen, den Alltag erleichtern und dabei erschwinglich sein. Gleichzeitig ist es immer wieder überraschend, was bei den Konsumentinnen und Konsumenten gut ankommt: Produkte, die auf dem Papier unkonventionell wirken, können im Regal begeistern. Das macht Innovation bei den Lebensmitteln so spannend.
Die eigentliche Herausforderung liegt im schnellen Testen: Ob eine Idee wirklich funktioniert, zeigt sich erst im direkten Kontakt mit den Konsumentinnen und Konsumenten – im Regal, am Tisch, im Alltag. Dafür braucht es Strukturen, die genau das ermöglichen: rasch ausprobieren, lernen und weiterentwickeln. Sproudz ist darauf ausgelegt und wird sich noch stärker in diese Richtung entwickeln.
Förderung konkret – bitte gebt uns eine Übersicht ...
Mit «BakeryBakery», «Outlawz Food» und «PureUp» konnten wir drei starke Start-ups für Sproudz gewinnen, die unsere Start-up-WG bereichern und zeigen, wie vielfältig Lebensmittelinnovation in der Schweiz sein kann. Die Türen für weitere Partnerschaften stehen offen.
BakeryBakery ist die erste vegane Bäckerei der Schweiz mit einem wachsenden Filialnetz. Als Gründungspartner von Sproudz hat sie das Konzept massgebend mitgestaltet.
Outlawz Food stellt bei Sproudz Seitan her und hat das Hubkonzept ebenfalls von Beginn an mitentwickelt.
PureUp rettet überschüssige Früchte von Schweizer Obstbauern und verarbeitet sie zu tiefgekühlten Fruchtpürees – für Lebensmittelindustrie und Gastronomie. Das Startup stiess Anfang 2026 dazu und ist das dritte Unternehmen im Sproudz-Verbund.
Im Forschungsbereich treiben wir Projekte voran, die Nebenströme aus Landwirtschaft und Verarbeitung neu denken – etwa was das Potenzial von Apfeltrester angeht oder die Frage, welche Rolle der Schweizer Landwirtschaftsbetrieb als Rohstofflieferant in der zellulären Landwirtschaft im Bereich pflanzliche Zellen spielen kann. Daneben erkunden wir neue Wege mit der Weintraube – von alkoholarmen bis zu alkoholfreien Produkten – und arbeiten daran, Schweizer Hülsenfrüchte noch attraktiver für den Markt zu machen.
Welche Ziele seht ihr für die Ernährungsbranche insgesamt?
Die Schweiz hat noch so vieles zu entdecken – coole, innovative Produkte, die auf erstklassigen Schweizer Rohstoffen basieren und Konsumentinnen und Konsumenten begeistern. Unser Ziel ist es, die Möglichkeiten der Produktion und die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten noch näher zusammenzubringen. Dafür braucht es gegenseitiges Verständnis – zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und dem Teller. Diese Scharnierfunktion übernehmen wir.
Der Schlüssel liegt in der ganzheitlichen Betrachtung der Wertschöpfungskette: Wer alle Glieder versteht – vom Feld bis zum Konsum – erkennt die Chancen, Rohstoffe besser zu nutzen, Nebenprodukte aufzuwerten und Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Je enger diese Verbindung ist, desto spannender und erfolgreicher werden die Produkte, die daraus entstehen.
In welchen Kooperationen und Innovationsnetzwerken engagiert ihr euch?
Innovation im stillen Kämmerlein ist längst passé – es braucht starke Partnerschaften, um Dinge wirklich vorwärtszubringen. Genau deshalb ist die Arbeit in Netzwerken für uns zentral. Wir sind breit vernetzt und pflegen aktive Kooperationen mit foodward, Swiss Food Research, United Against Waste, Cluster Food & Nutrition und dem Swiss Food & Nutrition Valley – ergänzt durch Forschungspartnerschaften mit ZHAW, ETH Zürich, Agroscope, BFH-HAFL und weiteren Partnerorganisationen. Sproudz ist zudem Gründungspartner des AgroFoodPark, eines Netzwerks verschiedener Akteure aus dem Agronomie- und Lebensmittelsektor im Raum Bern. Durch intensive Zusammenarbeit mit anderen Organisationen bleiben wir nah an den neuesten Entwicklungen und können Synergien nutzen.
Was sind die nächsten Etappen und Entwicklungsfelder?
Es gibt noch so vieles zu entdecken. Bekannte Rohstoffe und Nebenströme werden neu gedacht, Verarbeitungsschritte adaptiert und daraus Produkte entwickelt, die für Konsumentinnen und Konsumenten wirklich spannend und gehaltvoll sind.
Sproudz soll weiterwachsen – wir sind offen für neue Start-ups, die unser Ökosystem bereichern und gemeinsam mit uns etwas bewegen wollen. Parallel vertiefen wir unsere bestehenden Forschungspartnerschaften, um wissenschaftliche Erkenntnisse noch direkter in die Praxis zu übersetzen. Und: Wir wollen noch mehr Projekte lancieren, die konsequent vom Feld bis zum Regal gedacht werden – weil genau dort die grössten Chancen liegen.
Sproudz
Sproudz ist das Sprungbrett für Food-Start-ups. Als Innovationsplattform treibt Sproudz den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten für pflanzenbasierte Lebensmittel voran. Mit dem smarten, gemeinschaftlichen Ansatz erhalten junge Unternehmen den Boost, den sie brauchen, um durchzustarten. Claude Winter, Leiter Bereich Innovation, Division Lebensmittelindustrie und GF Sproudz (MSc Agricultural Economics ETH Zürich) sammelte Erfahrung als Projektleiter in der Lebensmittelindustrie bei der frigemo ag. Erich Hungerbühler, Projektleiter Bereich Innovation, Division Lebensmittelindustrie und Sproudz (MSc Food and Beverage Innovation, BSc Food Technology – ZHAW) war über 11 Jahre bei der Ramseier Suisse AG, zuletzt als Leiter Produktentwicklung.